
Während US-Aktien weiter boomen und internationale Anleger kaum noch Cash halten, werden die hiesigen Profis vorsichtiger. Wer aktiv ist, geht lieber short. Was das für den DAX bedeutet, weiß Joachim Goldberg.
Trotz großer Handelsspanne steht ein kleines Plus auf dem DAX-Kurszettel seit vergangenem Mittwoch. Gleichermaßen zurückhaltend sind mittelfristig orientierten Profis, von denen 12 Prozent Aktien verkauft und 10 Prozent short gegangen sind. Auch ihre internationalen Pendants trennen sich von europäischen Aktien, ergänzt Joachim Goldberg. Die Stimmung fällt auf -4 Punkte. Der Verhaltensökonom nennt die hohe bereits sehr hohe Aktienquote, Inflationssorgen und steigende Anleiherenditen als mögliche Gründe der Vorsicht. Anders agieren private Anleger, von denen 4 Prozent Aktien gekauft und deren Stimmung auf +8 Punkte steigt.
Unterm Strich hat sich nach Goldbergs Meinung die untere Stütze leicht verbessert. Die neuen Bären könnten knapp unter der 24.000er Linie als Nachfrager auftreten.
20. Mai 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Auch in der abgelaufenen Sentiment-Woche hat es der DAX bei einer Handelsspanne von 3,7 Prozent nicht geschafft, einen neuen Trend zu etablieren. Zwar unternahm er erneut einen neuen Anlauf an der Oberseite, fand aber keine Anschlussnachfrage und mündete damit lediglich in einen kleinen Wochengewinn von 0,7 Prozent. Was vermutlich auch daran lag, dass es weiterhin an Nachfrage aus dem Ausland fehlt, um eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu schaffen.
Dieser Eindruck wird bestätigt durch die jüngste Fondsmanagerumfrage der Bank of America (BoA), die gestern publiziert wurde. Danach haben die internationalen Vermögensverwalter ihre Übergewichtung in Aktien weltweit deutlich erhöht – die Hälfte von ihnen gab an, in dieser Anlageklasse übergewichtet zu sein, ein Rekordzuwachs gegenüber dem Vormonat. Allerdings nicht in Aktien der Eurozone. Hier hat sich der Anteil der übergewichteten internationalen Fondsmanager (im April waren es immerhin noch 4 Prozent) sogar ins Negative verkehrt. Netto 4 Prozent der Befragten sind laut Umfrage in dieser Region untergewichtet.
Steigende Angst vor fallenden Kursen
Auch die von uns befragten heimischen institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont haben sich dem Trend der internationalen Fondsmanager angeschlossen und ihre bullishen Engagements deutlich reduziert. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 22 Punkte auf einen neuen Stand von -4 gefallen. Dass dabei über 80 Prozent der ehemaligen Bullen letztlich ihr Engagement um 180° auf die Bärenseite gedreht haben, ist ein Indiz dafür, dass viele dieser Positionen profitabel gewesen sein dürften und man dem DAX, trotz zwischenzeitlicher Erholungsversuche, nicht mehr so recht über den Weg traut.
Dass es nicht nur ordentliche Verkaufsgelegenheiten in der abgelaufenen Sentiment-Woche gegeben hat, zeigt das Verhalten der Privatanleger. Der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel ist nämlich um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +8 gestiegen. Dabei hat sich das Bullenlager um 4 Prozentpunkte vergrößert, während sich die anderen beiden Gruppierungen um jeweils 2 Prozentpunkte reduzierten. Bei denjenigen Privatanlegern, die wir nicht über Social Media befragen, ist diese Entwicklung sogar noch etwas deutlicher zu sehen, da sich der Zuwachs bei den Bullen (ebenfalls 4 Prozentpunkte) fast vollumfänglich aus ehemaligen bearishen Engagements ergibt. Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe steigt um 8 Punkte auf einen neuen Stand von -1.
Niedrige Kassenquote
Damit hat sich die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche deutlich verringert, wobei sich Erstere wieder positiver gestimmt zeigen und an den institutionellen Pendants stimmungstechnisch vorbeigezogen sind. Ob die heimischen institutionellen Investoren nun tatsächlich an eine nachhaltige DAX Schwäche glauben – in der relativen Betrachtung auf Sicht von drei Monaten sprechen wir sogar von einem recht deutlichen Pessimismus und einem relativen Index-Stand von -26 – sei einmal dahingestellt. Vielleicht aber hat es manchen Investor nachdenklich gestimmt, dass die Teilnehmer der oben zitierten Erhebung der Bank of America in Sachen Aktien offenbar „All in“ gegangen sind. Denn abgesehen davon, dass die globale Übergewichtung in Aktien sehr hoch ist und vor allem bei Aktien aus den USA gegenüber dem Vormonat deutlich angezogen hat, ist auch die Kassenquote zuletzt auf 3,9 Prozent gefallen; also auf ein Niveau, das häufig als erstes antizyklisches Verkaufssignal (für globale Aktien) gesehen wird.
Aber es gibt auch genügend andere Verkaufsargumente, etwa die Angst vor einer zweiten Inflationswelle, die die BofA-Umfrage als größtes Extremrisiko ermittelte. Ganz zu schweigen von dem teils deutlichen Anstieg der langfristigen Anleihe-Renditen, nicht nur in den USA.
Zumindest kann die Positionierung, die die institutionellen Investoren hierzulande für den DAX vorgenommen haben, positiv bewertet werden. Denn die neuen Bären von heute dürften vermutlich erstmals knapp unter der 24.000er Linie als Nachfrager auftreten, um dann ihre Gewinne festzuschreiben. Allerdings dürfte diese Nachfrage nicht ausreichen, sofern es auf globaler Ebene tatsächlich zu einem größeren Aktien-Ausverkauf kommen sollte.
von Joachim Goldberg
20. Mai 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 34% | 38% | 28% |
| ggü. letzter Erhebung | -12% | +10% | +2% |
DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.350 Punkte (+180 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: -4 Punkte (-22 Punkte zur letzten Erhebung)

| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 44% | 36% | 20% |
| ggü. letzter Erhebung | +4% | -2% | -2% |
DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.350 Punkte (+180 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: +8 Punkte (+6 Punkte zur letzten Erhebung)
Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.
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