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04.11.26 08:53:59

ETF-Forum 2026: Was die Entwicklung des ETF-Marktes bedeutet

Gut 500 Fachleute, so international wie nie: Das ETF-Forum 2026 zeigte, wie dynamisch der deutsche ETF-Markt wächst. Was bedeuten mehr Anbieter, längere Handelszeiten und das neue Altersvorsorgedepot für Privatanleger? Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

4. November 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Irgendwo in Deutschland richtet in diesem Moment eine 29-jährige Frau ihren ersten ETF-Sparplan ein. Mit diesem Bild eröffnete Eric Leupold, Head of Cash Market der Deutschen Börse, das ETF-Forum 2026 in Frankfurt. Gut 500 Fachleute aus ganz Europa diskutierten dort, wohin sich der ETF-Markt entwickelt. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick – und was sie für Privatanlegerinnen und Privatanleger bedeuten.

Mehr Anbieter, mehr Auswahl

Das Forum war so international wie nie zuvor. Immer mehr ausländische ETF-Anbieter treten in den deutschen Markt ein; allein in den vergangenen Monaten ist die Zahl der Emittenten deutlich gestiegen. Deutschland gilt als einer der dynamischsten und fortschrittlichsten Märkte für Privatanleger in Europa.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das eine größere Auswahl und mehr Wettbewerb, der sich in der Regel auch auf die Kosten auswirkt. Auf Xetra, dem Handelsplatz der Deutschen Börse, sind inzwischen 3.000 ETFs gelistet – so viele wie nie zuvor.

Bessere Preise und längere Handelszeiten

Auch beim Handel hat sich viel getan. Über Xetra werden Aufträge von Privatanlegern seit März 2025 gezielt ausgeführt, häufig zu einem besseren Preis als am Referenzmarkt. Seither wurden auf diesem Weg rund 9,6 Milliarden Euro gehandelt; bei knapp der Hälfte des Volumens in der Kernhandelszeit kam es zu einer Preisverbesserung.

Seit Dezember 2025 ist der Handel auf Xetra zudem von 8 bis 22 Uhr möglich. Das Angebot wird angenommen: Gut ein Fünftel des Privatanleger-Volumens entfällt inzwischen auf die Zeiten außerhalb der klassischen Handelszeit. Für die Ausführung von ETF-Sparplänen erhebt die Börse von Brokern bereits seit 2019 keine Transaktionsentgelte.

Sparpläne auf Wachstumskurs

In Kontinentaleuropa gibt es inzwischen mehr als 15 Millionen ETF-Sparpläne – sechsmal so viele wie vor fünf Jahren. Deutschland ist dabei der am schnellsten wachsende Markt. Wie stark Privatanlegerinnen und -anleger den Handel bereits prägen, zeigt sich sogar im Orderbuch: An Tagen, an denen viele Sparpläne ausgeführt werden, sinkt die typische Ordergröße um ein Viertel.

Das Potenzial ist dennoch groß. In Europa entfallen erst rund 15 Prozent des ETF-Handels auf Private, in den USA sind es etwa 45 Prozent.

Altersvorsorgedepot: ETFs in der geförderten Vorsorge

Zum 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot. Leupold bezeichnete die Reform als die bedeutendste der privaten Altersvorsorge seit Einführung der Riester-Rente. Anders als bei Riester entfällt die Beitragsgarantie, die bislang die Renditechancen begrenzte. Stattdessen können Sparerinnen und Sparer staatlich gefördert in ETFs investieren. Vorgesehen sind zwei Varianten:

Die Sorge vor einem neuen „Telekom-Moment“ teilt unter anderem Patrick Diel von Xtrackers nicht. Damals hätten viele Anleger auf eine einzelne Aktie gesetzt. Heute gehe es um breit gestreute Indizes, regelmäßige Sparraten und einen Anlagehorizont von Jahrzehnten.

Aktive ETFs: Fondsmanagement in der ETF-Hülle

Immer häufiger stecken in der ETF-Hülle auch aktiv gemanagte Strategien, bei denen ein Fondsmanagement die Wertpapiere auswählt. Viele klassische Fonds kommen so zunehmend als ETF auf den Markt.

Der Vorteil dieser Vehikel: Sie können wie jeder ETF an der Börse handeln werden und die Kosten liegen meist deutlich unter denen klassischer Publikumsfonds. In Europa machen aktive ETFs zwar erst unter 4 Prozent des ETF-Vermögens aus, aber schon jede vierte Neuauflage ist aktiv. Besonders bei Anleihen sieht John Mullins von PIMCO Chancen für aktives Management.

KI: hinschauen, was drinsteckt

Künstliche Intelligenz war auch beim ETF-Forum ein großes Thema – mit nüchternem Blick. Florian Heinemann von Project A erinnerte in seiner Keynote daran, dass bei Wagniskapital nur wenige Treffer den Großteil der Rendite liefern: Bei Project A stehen fünf von rund 160 Beteiligungen für über 90 Prozent des Portfoliowerts. Das Panel zur KI-Infrastruktur zeigte, dass die Engpässe oft ganz handfest sind: Gasturbinen für Kraftwerke sind auf fünf Jahre ausgebucht, spezielle Speicherchips liefern weltweit nur drei Hersteller.

Wer über Themen-ETF in KI investieren möchte: Es lohnt ein Blick ins Innere. Michael Stewart von Amundi plädierte für hohe „Umsatzreinheit“: Im Index sollten nur Unternehmen stecken, die tatsächlich mit dem Thema Geld verdienen.

Was heißt das für private Anlegerinnen und Anleger?

Das ETF-Forum 2026 hat gezeigt: Der deutsche ETF-Markt wächst, wird internationaler und bekommt mit dem Altersvorsorgedepot einen kräftigen Schub. Das bedeutet das mehr Auswahl, günstigere Wege zum Handeln und ab 2027 staatliche Unterstützung beim Vermögensaufbau mit ETFs.

Der wichtigste Schritt bleibt aber derselbe wie für die 29-Jährige aus Leupolds Beispiel: sich informieren und anfangen. 

Von Edda Vogt, 4. November 2026, © Deutsche Börse AG

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