(neu: Erläuterung zu Kündigungsfristen im zweiten Absatz)
HEIDELBERG (dpa-AFX) - In der Kfz-Versicherung hat eine dreijährige Phase teils drastischer Preiserhöhungen ihr Ende gefunden: Zu Beginn der alljährlichen Wechselsaison kosten Kfz-Policen im Mittel der drei Versicherungsarten - Haftpflicht sowie Voll- und Teilkasko - zwei Prozent mehr als vor einem Jahr, wie das Vermittlungsportal Verivox mitteilte. Das entspricht einem vergleichsweise moderaten Anstieg, der unter der allgemeinen Inflationsrate liegt. Im günstigen Preissegment sind die Preise laut Verivox sogar im Schnitt um knapp zwei Prozent gesunken.
Große Preisunterschiede
Alljährlich im November und Dezember wechseln Millionen Autobesitzer in Deutschland auf der Suche nach günstigeren Tarifen ihre Kfz-Versicherung. Die übliche Kündigungsfrist für zum Jahresende terminierte Verträge ist der 30. November. Doch erhöht der bisherige Versicherer den Beitrag, ohne ansonsten seine Leistungen zu ändern, gilt über diesen Stichtag hinaus ein Sonderkündigungsrecht. In den vergangenen drei Jahren waren tatsächlich billigere Policen Mangelware: Autobesitzer hatten beim Wechsel des Versicherers bestenfalls die Chance, den Preisanstieg etwas zu dämpfen. Rekordjahr war 2024 mit durchschnittlichen Preiserhöhungen um knapp 25 Prozent für Neuverträge.
In diesem Jahr ist die Lage für die autofahrende Bevölkerung weniger unerfreulich: Im mittleren Preissegment kosten Haftpflichtpolicen laut Verivox in diesem Jahr im Schnitt 3,1 Prozent mehr, während die Preise günstigerer Versicherer um 1,2 Prozent niedriger sind als vor einem Jahr. Teilkasko ist in diesem Herbst im mittleren Preissegment 0,4 Prozent teurer, im günstigen ein Prozent günstiger. Bei Vollkasko-Policen, die auch selbst verschuldete Schäden am eigenen Auto abdecken, geht die Entwicklung etwas stärker auseinander: 1,6 Prozent mehr im mittleren Preissegment, 2,3 Prozent weniger im günstigen.
... obwohl die Kosten weiter steigen
"Von einer dauerhaften Preiswende kann aber noch keine Rede sein", sagte Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Ersatzteile und Reparaturen verteuern sich weiter und bleiben ein Kostentreiber." Verivox berechnet den Versicherungsindex gemeinsam mit dem Statistik-Experten Wolfgang Bischof von der Technischen Hochschule Augsburg. Die Zahlen beziehen sich ausschließlich auf den Abschluss neuer Policen, nicht auf die ebenfalls teurer werdenden Bestandsverträge.
Autoversicherung seit 2022 um über die Hälfte teurer geworden
In den vergangenen drei Jahren hatten etliche Versicherer ihre Preise für Neuverträge stark erhöht. Kfz-Policen kosten den Verivox-Berechnungen zufolge im Schnitt heute über 50 Prozent mehr als 2022.
Ursache ist nicht Profitgier der Versicherer, sondern der starke Anstieg von Ersatzteilpreisen und Reparaturkosten in den Autowerkstätten. Etliche Autohersteller schlagen seit vielen Jahren bei den Preisen für Ersatzteilen kräftig zu. Nach kürzlich veröffentlichten Berechnungen des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind die Ersatzteilpreise seit 2016 um 80 Prozent gestiegen, im jährlichen Schnitt knapp sechs Prozent. Das liegt weit über der allgemeinen Inflationsrate.
Die meisten Schäden gibt es beim Ein- und Ausparken
Die meisten Autos in Deutschland werden nicht bei echten Unfällen beschädigt, sondern bei den sogenannten "Parkremplern". Dabei werden üblicherweise von außen sichtbare Teile beschädigt - Kotflügel, Türen, Scheinwerfer, Blinker etc. Doch im Gegensatz zu Autobatterien oder Zündkerzen sind diese von außen sichtbaren Teile designgeschützt und dürfen daher nicht von Drittherstellern kopiert und billiger angeboten werden.
Die Entwicklung ließ zwischenzeitlich die gesamte Kfz-Versicherungsbranche im Saldo in die roten Zahlen rutschen. In diesem und auch im vergangenen Jahr hatten die Versicherer bei den Kosten jedoch Glück, da schwere Unwetter und sonstige Naturkatastrophen in Deutschland weitgehend ausblieben./cho/DP/jha
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