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20.06.23 08:49:10

OTS: Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) e.V. / vdp-Emissionsklima: ...

vdp-Emissionsklima: Geringeres Aktivgeschäft belastet Stimmung (FOTO)

Berlin (ots) -

- Rückzug der EZB aus dem Primärmarkt gut verkraftet

· Starker Absatz von Benchmark-Pfandbriefen in den ersten fünf Monaten 2023

Die Stimmung am Kapitalmarkt ist derzeit etwas eingetrübt. Dies ist das Ergebnis

der zum zweiten Mal vom Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) durchgeführten

Umfrage unter Kapitalmarktexpert:innen seiner Mitgliedsinstitute. Als mögliche

Belastungsfaktoren für die Emission von Pfandbriefen und unbesicherten

Bankanleihen werden u. a. das fehlende Wachstum des Aktivgeschäfts sowie die

Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre Reinvestitionen im Rahmen

der Asset Purchase Programme einzustellen, genannt. Damit fällt der Ausblick auf

das zweite Halbjahr 2023 weiterhin verhalten aus.

Die Ergebnisse der Umfrage, die zweimal im Jahr durchgeführt wird, werden unter

dem Titel "vdp-Emissionsklima" veröffentlicht. Aktuell zeigt der

Stimmungsindikator - bei einer Bandbreite von -100 bis +100 Punkten - mit einem

Gesamtwert von -21 Punkten ein leicht negatives Stimmungsbild, wobei der Score

für Pfandbriefe (-14) positiver ausfällt als der Score für unbesicherte

Bankanleihen (-29). Gegenüber der Umfrage im Dezember 2022 ist bei den Scores

jeweils eine leichte Verschlechterung zu verzeichnen.

Auswertung Juni 2023 Dezember 2022

Score für Pfandbriefe: -14 -10

Score für unbesicherte Bankanleihen: -29 -26

Gesamt-Score: -21 -17

Pfandbriefe: Nachfrage übertrifft Erwartungen

Dass der Emissionsklima-Score für Pfandbriefe von -10 auf -14 gefallen ist,

hängt im Wesentlichen mit der Erwartung zusammen, dass sich die derzeit starke

Investorennachfrage nach Pfandbriefen im zweiten Halbjahr 2023 beruhigen könnte.

Das belegt die Veränderung der entsprechenden Teil-Scores für die

Investorennachfrage von +30 (aktuelle Nachfrage) und +14 (Nachfrage in den

nächsten sechs Monaten). Erwartet wird zudem ein weiterhin geringes zu

refinanzierendes Aktivgeschäft, das vor allem unter der geringen Nachfrage nach

Immobilienfinanzierungen leidet.

Das Immobilienfinanzierungsgeschäft ist nach wie vor von Zurückhaltung der

Marktteilnehmer geprägt. Im ersten Quartal 2023 belief sich das Volumen an

Immobilienfinanzierungen der vdp-Mitgliedsinstitute auf 25,6 Mrd. Euro, was zwar

gegenüber dem Vorquartal ein Plus von 3,2 % darstellt, aber um 47,8 % unter dem

Ergebnis von 49,0 Mrd. Euro im ersten Quartal 2022 lag, das damals einen Rekord

markierte. Die Prognose einer weiter verhaltenen Nachfrage nach Finanzierungen

spiegelt auch der Emissionsklima-Score für das zu refinanzierende Aktivgeschäft

wider, der von -69 auf -81 zurückgegangen ist. Von einem negativen Einfluss des

geringeren Aktivgeschäfts auf den Refinanzierungsbedarf gehen 80 % der befragten

Mitgliedsinstitute aus.

Negativ, aber weniger stark als noch im Dezember 2022 wird der Rückzug der EZB

gesehen (-56 im Juni 2023 versus -60 im Dezember 2022),. Die Notenbank hat

angekündigt, ab Juli 2023 fällige Pfandbriefe und andere Covered Bonds aus dem

Asset Purchase Programme nicht mehr zu ersetzen. Die bisher erfolgten

Reduzierungen der Wiederanlagen sind vom Markt mühelos durch Käufe

traditioneller Real-Money-Investoren wie Lebensversicherungen, Pensionskassen

etc. kompensiert worden. Die Kaufbereitschaft dieser Investorengruppen wurde

auch durch den attraktiven Aufschlag von Pfandbriefen gegenüber Emissionen des

Bundes unterstützt. Dies zeigt sich auch im Score von +44 in Bezug auf den

Einfluss des Aufschlags in den nächsten sechs Monaten.

"Als stabiles Refinanzierungsinstrument lässt sich der Pfandbrief stets

absetzen, auch in solch angespannten Marktphasen wie jetzt. 2023 zeigt sich

bislang als emissionsreiches Jahr. Wir können aber nicht davon ausgehen, dass

sich diese Dynamik auch im zweiten Halbjahr fortsetzt. Dafür bräuchte es eine

Belebung des Immobilienfinanzierungsgeschäfts",

fasst Sascha Kullig, Mitglied der Geschäftsleitung des vdp, seine Erwartungen

für das zweite Halbjahr 2023 zusammen.

Neue Hypothekenpfandbriefe über knapp 41 Mrd. Euro für 2023 geplant

Seit Jahresbeginn wurden bereits Benchmark-Pfandbriefe (mindestens 500 Mio.

Euro) im Volumen von 24,5 Mrd. Euro begeben. Der Absatz liegt damit zum 12. Juni

2023 rund 25 % über dem des Rekordergebnisses des Vorjahreszeitraums. Insgesamt

kamen in den ersten fünf Monaten 2023 von den vdp-Mitgliedsinstituten 27,5 Mrd.

Euro an neuen Pfandbriefen auf den Markt. Auf die in den ersten fünf Monaten

platzierten neuen Pfandbriefe entfielen 22,2 Mrd. Euro auf Hypothekenpfandbriefe

und 5,2 Mrd. Euro auf Öffentliche Pfandbriefe.

Die Ende 2022 abgegebenen Prognosen der Mitgliedsinstitute des vdp gehen für

2023 von einem Absatz von neuen Hypothekenpfandbriefen im Volumen von knapp 41

Mrd. Euro aus. Bei Fälligkeiten von knapp 28 Mrd. Euro entspricht dies

Nettoneuemissionen von knapp 13 Mrd. Euro. Bei den Öffentlichen Pfandbriefen

übersteigen 2023 die Fälligkeiten (gut 15,2 Mrd. Euro) wieder den geplanten

Absatz (rund 9 Mrd. Euro).

Unbesicherte Bankanleihen: unverändert verhaltene Nachfrage

Als unverändert herausfordernd werden beim vdp-Emissionsklima die

Absatzmöglichkeiten von unbesicherten Bankanleihen im zweiten Halbjahr 2023

eingeschätzt, was sich auch im Rückgang des entsprechenden Scores von -26

Punkten im Dezember 2022 auf aktuell -29 Punkte widerspiegelt. Hier rechnen die

vdp-Kapitalmarktexpert:innen auch für die nächsten sechs Monate mit einer eher

verhaltenen Nachfrage und wenig attraktiven Refinanzierungsbedingungen.

Noch etwas negativer wird der generelle Ratingtrend für den Bankensektor

eingeschätzt. Der Rückgang des Scores von -30 im Dezember 2022 auf aktuell -36

schlägt sich belastend in der Beurteilung des Emissionsumfelds, insbesondere bei

unbesicherten Anleihen, nieder. Entspannt wird die weitere Zinsentwicklung

eingeschätzt. Die Mehrheit der befragten Institute geht davon aus, dass die

Zinserhöhungsschritte der EZB in den nächsten sechs Monaten zu Ende gehen

dürften.

"Die Platzierung unbesicherter Bankanleihen erwies sich in diesem Jahr bisher

überwiegend schwierig. Da unsere Mitgliedsinstitute die Verunsicherung,

ausgelöst von den Krisen einiger US-Regionalbanken und der Credit Suisse, gut

verkraftet haben und die Spreads unbesicherter Bankanleihen aktuell rückläufig

sind, bestehen in diesem Segment im zweiten Halbjahr möglicherweise wieder mehr

Emissionschancen als zu Beginn dieses Jahres ",so Kullig.

Zur Methodik

Die Befragung umfasst jeweils Beurteilungen der zurückliegenden sechs Monate,

der aktuellen Situation und der kommenden sechs Monate, wobei letztere in der

Auswertung die größte Gewichtung erhalten. Hieraus werden je ein Score für

Pfandbriefe und unbesicherte Bankanleihen sowie ein Gesamt-Score ermittelt. Ein

Punktwert von 0 entspricht dabei einem stabilen Kapitalmarktumfeld, in dem

Emissionspläne ohne Probleme umgesetzt werden können. Negative (maximal -100)

und positive Scores (maximal +100) weisen auf ein unterdurchschnittlich bzw.

überdurchschnittlich gutes Emissionsumfeld hin.

Das vdp-Emissionsklima informiert zweimal jährlich über die Stimmung unter den

Mitgliedsinstituten des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp) hinsichtlich

der Platzierung von Pfandbriefen und unbesicherten Bankanleihen. Dazu werden

Expert:innen der vdp-Mitglieder zu den Einflüssen befragt, die den Absatz von

Pfandbriefen und unbesicherten Bankanleihen bestimmen. Die Befragung umfasst die

zurückliegenden sechs Monate, die aktuelle Situation und die kommenden sechs

Monate, wobei letztere in der Auswertung die größte Gewichtung erhalten.

Die einzelnen Antworten werden zu Themenfeldern zusammengefasst, die einen

Überblick über die Angebots- und Nachfragekonstellation auf den Märkten für

Pfandbriefe und unbesicherte Bankanleihen ergeben. Hieraus werden unter

bestimmten Annahmen zur relativen Bedeutung der einzelnen Themenfelder drei

Scores ermittelt, nämlich je ein Score für Pfandbriefe und unbesicherte Anleihen

sowie ein Gesamt-Score. Ein Punktwert von 0 entspricht dabei einem stabilen

Kapitalmarktumfeld, in dem Emissionspläne ohne Probleme umgesetzt werden können.

Negative und positive Scores weisen auf ein unterdurchschnittlich bzw.

überdurchschnittlich gutes Emissionsumfeld hin.

Die im vdp zusammengeschlossenen Pfandbriefbanken repräsentieren einen

Marktanteil von knapp 96% der ausstehenden Pfandbriefe.

Pressekontakt:

Carsten Dickhut

T +49 30 20915-320

E mailto:dickhut@pfandbrief.de

Horst Bertram

T +49 30 20915-380

E mailto:bertram@pfandbrief.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/29608/5538452

OTS: Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) e.V.

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