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22.04.26 08:02:08

OTS: KPMG AG / Internationale Investoren verlieren das Vertrauen in den ...

Internationale Investoren verlieren das Vertrauen in den

Wirtschaftsstandort Deutschland

Berlin (ots) - Umfrage der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft unter 400

CFOs der größten deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus

den wichtigsten Investorenländern

Aktueller KPMG-Standortindex zeigt: Mehr als die Hälfte der CFOs (52 %) bewertet

die wirtschaftliche Lage ihrer deutschen Tochtergesellschaften aktuell als

"schlecht" oder "sehr schlecht"; 23 % planen Verringerung ihrer Investitionen in

Deutschland

- Standortindex[1] erreicht historischen Tiefstand: Index fällt auf +0,2 Punkte

(2017: +3,1; 2023: +1,2); 14 von 24 Faktoren werden schlechter bewertet als

2023; bei elf liegt Deutschland unter EU-Durchschnitt.

- Energiekosten, Bürokratie und digitale Infrastruktur sind schwächste

Standortfaktoren im EU-Vergleich: Rund 70 % der befragten Unternehmen sehen

Deutschland in allen drei Bereichen unter den fünf schwächsten Standorten der

EU. 43 % bewerten die deutschen Energiekosten als Schlusslicht. Der Faktor

wurde erstmals separat erhoben und ist der schwächste.

- Investitionsabsichten verschlechtern sich: 23 % der Unternehmen planen

Kürzungen (2023: 11 %), 46 % erwarten ein unverändertes Niveau.

Die CFOs internationaler Unternehmen in Deutschland bewerten die

Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands deutlich kritischer - in einer Phase, da

Energiepreis-Eskalationen durch den Iran-Krieg, Zollkonflikte, der Import-Boom

aus China und der starke Euro die globale Standortwahl weiter massiv

verschärfen. Das zeigt der KPMG-Standortindex, eine Detailanalyse von 24

zentralen Standortfaktoren, der im EU-Vergleich auf einen historischen Tiefstand

gefallen ist.

Zugleich beurteilen 52 % der CFOs die wirtschaftliche Lage ihrer deutschen

Tochtergesellschaften als "schlecht" oder "sehr schlecht". Dies ist nahezu eine

Verdreifachung gegenüber 2023.

Für die Studie "Business Destination Germany" befragte KPMG 400 CFOs der größten

deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne aus den acht

wichtigsten Investorenländern Deutschlands. Die Erhebung erscheint seit 2017

alle zwei Jahre.

"Unser fünfter Standortindex dokumentiert einen Kipp-Punkt: Deutschland steckt

nicht in einer Konjunkturdelle, sondern in einem strukturellen Problem. Die

Folgen: Immer mehr internationale Investoren überprüfen ihre Engagements

hierzulande kritisch", sagt Andreas Glunz, Bereichsvorstand International

Business bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft . "Wenn Politik und

Wirtschaft jetzt nicht gegensteuern und die versprochenen Reformen zeitnah

umsetzen, verlagern internationale Konzerne Investitionen, Beschäftigung und

Wertschöpfung in andere Länder. Dies hätte massive Folgen für Wachstum,

Innovation und Steuereinnahmen."

Der Standortindex zeigt den kontinuierlichen Rückgang: Seit der Erstauflage der

Studie 2017 ist der Wert von +3,1 Punkten über +2,6 (2019), +2,4 (2021) und +1,2

(2023) sukzessive auf +0,2 gefallen. Deutschland liegt damit nur noch knapp über

dem EU-Durchschnitt.

"Der niedrige Wert ist das Ergebnis von acht Jahren schleichender Erosion des

Standorts bei Energiekosten, Digitalisierung, Regulierung, Steuern,

Infrastruktur und Fachkräften", fasst Andreas Glunz (KPMG) weiter zusammen. "Für

immer mehr CFOs internationaler Konzerne wird Deutschland vom Ankerstandort zum

Prüfstandort."

Wirtschaftslage und Investitionspläne verschlechtern sich

Die Stimmung internationaler Unternehmen in Deutschland hat sich deutlich

verschlechtert. 2023 bewertete knapp jedes Fünfte (18 %) die Lage seiner

deutschen Tochtergesellschaft als "schlecht" oder "sehr schlecht" (2021: nur 8

%). In der aktuellen Erhebung ist es mehr als jedes zweite Unternehmen (52 %).

Nur noch 23 % bewerten ihre aktuelle Situation als "gut" oder "sehr gut". Das

sind 28 Prozentpunkte weniger als 2023 sowie 43 Prozentpunkte weniger als 2021.

Die schwächeren Erwartungen spiegeln sich in den Investitionsplänen. Knapp jedes

vierte Unternehmen (23 %) will in Deutschland weniger investieren. Das sind mehr

als doppelt so viele wie vor zwei Jahren (11 %). Besonders ausgeprägt ist dieser

Trend bei Unternehmen aus Südostasien: 71 % von ihnen wollen ihre Investitionen

zurückfahren. Bei Investoren aus Mittel- und Osteuropa liegt der Anteil bei 47

%. Von den Unternehmen, die kürzen, planen 26 % Einschnitte von mehr als 30 %.

Zwar will knapp jedes dritte Unternehmen (31 %) in Deutschland mehr investieren,

doch 42 % von ihnen peilen lediglich Zuwächse von weniger als 10 % an.

Bürokratie und Energiekosten belasten den Standort

Bürokratie ist der größte Standortnachteil. 70 % sehen Deutschland bei

Regulierung unter den fünf schwächsten EU-Ländern, 29 % als Schlusslicht. Der

Wert verzeichnet den stärksten Rückgang aller Faktoren. 32 % fordern daher

Bürokratieabbau, aber nur 19 % erwarten Fortschritte in den nächsten fünf

Jahren.

Noch kritischer fällt das Urteil beim Thema Energie aus. Die Sicherheit der

Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen wurde erstmals separat abgefragt

und landet auf dem letzten Platz aller 24 Kriterien. 43 % sehen Deutschland als

schwächsten Standort der EU, weitere 26 % unter den fünf schwächsten.

"Kurzfristige Entlastungen bei den Strompreisen greifen zu kurz: Nicht zuletzt

der Iran-Krieg treibt Energiepreise und erhöht die Unsicherheit der Versorgung.

Gleichzeitig steigt mit Automatisierung und Digitalisierung der Energiebedarf -

und macht Energiekosten zu einem zentralen Faktor bei internationalen

Standortentscheidungen. Das schwächt die Attraktivität des Standorts", erläutert

KPMG-Experte Glunz .

Infrastruktur wird zunehmend schlecht bewertet

69 % sehen die digitale Infrastruktur unter den fünf schwächsten in Europa, 33 %

als Schlusslicht. Bei der physischen Infrastruktur zählt Deutschland nur noch

für 29 % zu den Top 5 (2017: 77 %, 2023: 44 %).

Steuern bleiben ein Nachteil. 47 % ordnen Deutschland den fünf Ländern mit den

höchsten Steuern und der größten Komplexität zu (+12 Prozentpunkte gegenüber

2023), 19 % sehen das Land als Schlusslicht.

Auch die Einwanderungspolitik wird kritischer bewertet. Nur 24 % sehen

Deutschland führend (2023: 44 %), 45 % unter den fünf schwächsten (2023: 17 %).

Wo Deutschland weiter punktet

60 % der internationalen Unternehmen nutzen Deutschland als Europazentrale. 63 %

steuern von hier aus auch Aktivitäten außerhalb Europas.

Vor allem institutionelle Faktoren schneiden stark ab: 66 % der internationalen

Finanzchefs zählen die öffentliche Sicherheit sowie 65 % die politische

Stabilität Deutschlands zu den fünf besten in der EU. Dies sind die höchsten

Bewertungen im gesamten Ranking.

Auch bei zentralen Markt- und Innovationsfaktoren bleibt Deutschland in der

Spitzengruppe: 57 % nennen Größe und Kaufkraft des Marktes, 52 % die

Forschungslandschaft und 54 % das innovationsfreundliche Umfeld und die

Technologieoffenheit.

51 % sehen Deutschland bei Lebensqualität und Lebensstandard unter den Top 5 -

deutlich weniger als 2023 (74 %).

"Deutschland bleibt für internationale Unternehmen ein Schlüsselstandort, aber

die Geduld der Investoren ist begrenzt. Ob Reformen greifen oder sich die

schleichende Deindustrialisierung fortsetzt, entscheidet sich jetzt", resümiert

Andreas Glunz (KPMG) .

Chancen für profitables Wachstum aus Sicht internationaler Investoren

Die Reformagenda der Bundesregierung beeinflusst die Investitionsentscheidungen

internationaler Unternehmen stärker, als es die aktuelle Stimmung vermuten

lässt. Für rund jedes fünfte internationale Unternehmen (19 %) gehört sie zu den

drei wichtigsten Gründen, in den kommenden fünf Jahren in Deutschland zu

investieren.

17 % sehen Chancen in den großen Transformationsaufgaben des Landes -

insbesondere Energiewende, Klimaneutralität, Digitalisierung, Demografie und

Stärkung der Verteidigungsfähigkeit. Weitere 17 % führen das neue Infrastruktur-

und Verteidigungspaket als Investitionsanreiz an.

Über die Studie "Business Destination Germany 2026"

Zur Methodik:

Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Appinio im Auftrag der KPMG AG

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland 400 CFOs und kaufmännische

Leiter:innen der größten deutschen Töchter internationaler Konzerne vom 13. bis

25. November 2025 online befragt. Die Befragten repräsentieren die acht

wichtigsten Investorenländer in Deutschland: die USA (105 Teilnehmende), Japan

(32), China (33), das Vereinigte Königreich (32), Frankreich (34), die

Niederlande (32), die Schweiz (34) und Österreich (33). Ergänzend wurden 65

Inbounds aus weiteren Ländern einbezogen.

Die Studie ist die fünfte Veröffentlichung einer zweijährlich erscheinenden

Reihe und folgt auf die Ausgaben von 2018, 2020, 2022 und 2024. Die

Teilnehmenden bewerten die Chancen und Herausforderungen des Standorts

Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union und geben

Einblicke in ihre Investitionspläne, Standortpräferenzen und Erwartungen an

politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

[1] Auf einer Skala von +10 als Spitzenreiter im EU-Vergleich bis -10 als

Schlusslicht im EU-Vergleich. Ein Wert von Null steht für einen Rang als

EU-Durchschnitt der 27 EU-Länder.

Pressekontakt:

KPMG AG

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Clemens Reisbeck

+49 89 9282 1722

mailto:creisbeck@kpmg.com

http://www.kpmg.com/de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/33170/6260109

OTS: KPMG AG

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