FRANKFURT (dpa-AFX) - Belastet von steigenden Ölpreisen und neuen KI-Bedenken ist der deutsche Aktienmarkt zum Wochenstart eingeknickt. Der Dax DE0008469008 fiel am Montagvormittag auf den tiefsten Stand seit Ende Juli und notierte zuletzt noch 0,6 Prozent im Minus bei 25.406 Punkten. Der MDax DE0008467416 der mittelgroßen Unternehmen sackte auf ein Tief seit mehr als drei Monaten ab und verlor am Nachmittag 1,6 Prozent auf 31.152 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 ging es um 1,2 Prozent abwärts.
"Der Dax bleibt im Spannungsfeld eines Unsicherheitscocktails aus geopolitischen Risiken, geldpolitischen Fragezeichen und KI-Bedenken gefangen", sagte Marktanalyst Timo Emden vom Broker CapTrader. "Mit jedem weiteren Ölpreisschub wächst die Sorge, dass die Inflation befeuert und die Notenbanken unter Zugzwang gesetzt werden könnten."
Die Ölpreise legten wegen der von Saudi-Arabien abgeschalteten Ölpipeline und der weiter ungeklärten Lage rund um die Straße von Hormus zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent mit Lieferung im November kletterte um mehr als drei Prozent auf über 108 US-Dollar.
Zudem belasten neue Befürchtungen rund um das Trendthema KI. Nach dem Schock eigenständiger Hacking-Attacken durch Künstliche Intelligenz sei er besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, fürchtet Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic. Er rief die Branche dazu auf, die Entwicklung ihrer leistungsfähigsten Modelle zu verlangsamen.
Amodei bekam mit dieser Meinung prominente Rückendeckung, etwa von Tesla US88160R1014- und SpaceX US84615Q1031-Chef Elon Musk sowie dem Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, Sam Altman. Dieser erteilte zudem einem schnellen Börsengang seines Unternehmens eine Absage - der werde im laufenden Jahr wegen der vorhandenen Sicherheitsbedenken wohl nicht mehr stattfinden.
Dies bremste deutsche Aktien mit eingepreister Fantasie bei diesem Trendthema merklich ein. So gehörten die Titel der KI-Profiteure Siemens Energy DE000ENER6Y0, Infineon DE0006231004 und Hochtief DE0006070006 mit Verlusten von bis zu 8,5 Prozent zu den schwächsten Dax-Werten. Am breiteren Markt erwischte es die Papiere von Chip-Branchenausrüstern wie Aixtron DE000A0WMPJ6, Suss Microtec DE000A1K0235, Siltronic DE000WAF3001 und Jenoptik DE000A2NB601 mit Abgaben von bis zu 11 Prozent noch deutlicher.
Was die KI-Werte belastete, wurde am Montag zu einer Entlastung für Software-Werte, die in der ersten Jahreshälfte 2026 stark unter der Sorge gelitten hatten, dass KI ihre Geschäftspotenziale gefährden könnte. SAP-Anteilsscheine DE0007164600 waren mit einem Anstieg von 4,8 Prozent der Spitzenreiter im Dax, genauso wie Nemetschek DE0006452907 und Teamviewer DE000A2YN900 in der zweiten und dritten deutschen Börsenliga.
Für die Papiere von Bayer DE000BAY0017 ging es um 3,0 Prozent nach oben. Im Anlegerfokus steht dabei eine Anhörung vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri mit Blick auf die finale Genehmigung eines Sammelvergleichs zu den Rechtsstreitigkeiten um den Unkrautvernichter "Roundup". Die Anhörung startet am Montag. Die Entscheidung des Gerichts wird den Angaben des Unternehmens zufolge erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet./edh/men
--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---
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