FRANKFURT (dpa-AFX) - Hohen Kursverlusten an den Börsen in Tokio und Seoul dürfte sich am Freitag auch der deutsche Aktienmarkt nicht entziehen können. Der X-Dax DE000A0C4CA0 als außerbörslicher Indikator für den Dax DE0008469008 stand eine Stunde vor dem Xetra-Auftakt 0,8 Prozent tiefer bei 24.800 Punkten. Die Erholungsgewinne vom Vortag, die den Dax zeitweise wieder über die 25.000-Punkte-Marke hievten, wären damit fast wieder dahin. Auf Wochensicht zeichnet sich wieder ein Minus ab.
Die Vortagserholung im Technologiesektor, die von gefeierten Resultaten des US-Konzern Micron US5951121038 getrieben war, erweist sich wohl als Strohfeuer. In Asien hatten die Anleger am Freitag direkt wieder Gewinne mitgenommen. Der japanische Nikkei-Index JP9010C00002 <XC0009692440> büßte zuletzt fast fünf Prozent ein und der südkoreanische Kospi <KRD020020008> gut sieben Prozent. Beide Börsenbarometer bleiben damit angeschlagen, nachdem sie bis Anfang der Woche eine Rekordjagd hinter sich hatten.
Die Bedenken angesichts hoher Bewertungen rund um Künstliche Intelligenz seien zurück, schrieb Analyst Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hinzu komme die Sorge vor einer Knappheit von Speicherchips. "Die Stimmung ist gerade dabei, sich zu drehen. Anlegerinnen und Anleger werden generell vorsichtiger. Die Risikoaversion nimmt zu."
An der technologielastigen US-Börse Nasdaq notieren deshalb die Futures am Freitag schon wieder klar in der Verlustzone. Im Chipbereich erfasst die erneute Abwärtsbewegung in der Branche wohl auch viele deutsche Aktien: Der Infineon DE0006231004-Kurs sackte etwa vorbörslich um 2,8 Prozent ab. Für die Ausrüster Aixtron DE000A0WMPJ6, Suss DE000A1K0235 und PVA Tepla DE0007461006 sowie den Waferhersteller Siltronic DE000WAF3001 ging es auf der Plattform Tradegate auch um bis zu drei Prozent bergab. Mit Siemens Energy DE000ENER6Y0 und Hochtief DE0006070006 drohen auch anderen KI-Profiteure wieder unter Druck zu geraten.
Besonders heftig erwischt es vorbörslich die Zalando DE000ZAL1111-Aktien, die auf der Plattform Tradegate um 15 Prozent einbrechen wegen regulatorischer Ermittlungen. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat bei dem Modehändler eine Prüfung des Konzernabschlusses und des zugehörigen Lageberichts eingeleitet. Laut Mitteilung liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen wurde.
Bei Bayer DE000BAY0017 gilt es den Vortagskurssprung um fast 19 Prozent wegen eines wichtigen Erfolgs in den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten zu verteidigen. Vorbörslich bewegt sich der Kurs des Agrarchemiekonzerns jetzt mit 1,4 Prozent im Minus. Analyst James Quigley von Goldman Sachs sieht mit der Entscheidung einen großen Schritt, um eine Dekade der Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter zu beenden. Auf einen parallel laufenden Vergleich habe die Entscheidung aber wohl kaum Einfluss, glaubt Michael Leuchten von Jefferies./tih/jha/
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