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12.06.26 09:10:25

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APA ots news: Nationalbank: Krieg im Nahen und Mittleren Osten führt zu deutlich erhöhter Inflation

Gesamtwirtschaftliche Prognose für Österreich 2026 bis 2028

vom Juni 2026

Wien (APA-ots) - Rund 100 Tage nach dem Beginn des Krieges im Nahen und

Mittleren

Osten sind die Energiepreise weiter deutlich erhöht, die Unsicherheit

über die geopolitische Entwicklung ist ungebrochen hoch und es zeigen

sich zunehmend Beeinträchtigungen der internationalen Lieferketten.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet daher für 2026 ein

gedämpftes Wachstum des BIP von 0,6 %. In den Jahren 2027 und 2028

beschleunigt sich das Wachstum laut Prognose auf 1,1 % bzw. 1,2 %.

Die Inflation für das Gesamtjahr 2026 wird mit 3,2 % prognostiziert.

Bis 2028 wird jedoch ein Rückgang der Jahresinflationsrate auf 2,1 %

erwartet. Die beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen dämpfen zwar das

Budgetdefizit, gleichzeitig wirken das makroökonomische Umfeld,

steigende Zinszahlungen und höhere Ausgaben aufgrund der

demografischen Entwicklung den Bemühungen entgegen. Das erwartete

Budgetdefizit verbessert sich daher nur auf 3,8 % des BIP bis Ende

2028.

Zwtl.: Krieg im Nahen und Mittleren Osten trübt Konjunkturausblick

"Der Krieg im Nahen und Mittleren Osten belastet die

wirtschaftliche Entwicklung in Österreich. Gestiegene Energiepreise-

und Rohstoffpreise schwächen die Kaufkraft der Haushalte und wirken

dämpfend auf die heimische Wirtschaft. Gleichzeitig sorgt die hohe

geopolitische Unsicherheit für Zurückhaltung bei Investitionen. Dass

die österreichische Wirtschaft 2026 dennoch moderat wachsen wird, ist

vor allem auf den robusten Start ins Jahr zurückzuführen", schätzt

Gouverneur Martin Kocher die aktuelle Lage ein. Der österreichische

Arbeitsmarkt dürfte die Konjunkturdelle 2026 hingegen überstehen. Die

OeNB erwartet für 2026 eine Arbeitslosenquote laut AMS von 7,4 % -

unverändert gegenüber dem Vorjahr.

Zwtl.: Prognose der HVPI-Inflation steigt 2026 auf 3,2 % an

Die HVPI-Inflation wird 2026 infolge des Energiepreisschocks auf

3,2 % prognostiziert, bevor sie 2027 auf 2,4 % und 2028 auf 2,1 %

absinkt. Indirekte Effekte und mögliche Zweitrundeneffekte verhindern

trotz der Annahme rasch sinkender Energiepreise einen stärkeren

Rückgang bei der Inflationsentwicklung im Prognosezeitraum. So

beschleunigt sich die Teuerung bei Nahrungsmitteln und

nichtenergetischen Industriegütern in den kommenden Quartalen weiter

und bleibt bis 2028 erhöht. Im Dienstleistungssektor wird, ausgehend

vom aktuell hohen Niveau, infolge des nachlassenden Lohnwachstums ein

moderater Rückgang der Inflation erwartet. Gegenüber der OeNB-

Prognose vom März 2026 wurde die HVPI-Inflation für 2026 deutlich um

0,5 Prozentpunkte sowie für 2027 und 2028 um jeweils 0,1

Prozentpunkte angehoben.

"Mit zunehmender Dauer des Krieges im Nahen und Mittleren Osten

werden die Auswirkungen auf die Preisentwicklung immer deutlicher.

Höhere Energiepreise wirken nicht nur direkt auf die Inflation,

sondern bergen auch die Gefahr von Zweitrundeneffekten. Gleichzeitig

erwarten wir aus heutiger Sicht nicht, dass die Inflation auf

ähnliche hohe Werte wie in den Jahren 2022 und 2023 ansteigen wird.

Entscheidend wird sein, dass sich der aktuelle Preisschock nicht

dauerhaft in den Inflationserwartungen und damit in der allgemeinen

Preisentwicklung verfestigt. Die gestern beschlossene Erhöhung der

Leitzinsen trägt zur Stabilisierung bei. Die Europäische Zentralbank

wird weiterhin entschlossen handeln, um das Euroraum-Ziel von 2 % in

der mittleren Frist sicherzustellen", so Kocher.

Zwtl.: Zusätzliche Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung notwendig

"Im Budget für die nächsten zwei Jahre wurden Schritte gesetzt,

um das Defizit zu reduzieren. Demgegenüber stehen jedoch erhöhte

Zinsausgaben, höhere Beiträge zum EU-Budget sowie auch höhere

Ausgaben aufgrund der demografischen Entwicklung. Daher wird sich das

Budgetdefizit 2026 nur minimal verbessern und bis 2028 weiterhin bei

fast 4 % des Bruttoinlandsprodukts liegen. Die Prognose zeigt, dass

die nunmehr auf Bundesebene beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen

allein nicht ausreichen werden. Es braucht strukturelle Reformen -

insbesondere in jenen Bereichen, in denen die Ausgaben besonders

dynamisch steigen", erklärt OeNB-Chefvolkswirt Wolf Heinrich Reuter.

Das Netto-Konsolidierungsvolumen 2026 beträgt ca. 0,6 % des BIP.

Dieses umfasst Maßnahmen wie Kürzungen der Umweltförderungen sowie

nur anteilige Anpassungen der öffentlichen Gehälter, Pensionen und

Einkommensteuer-Tarifstufen an die vergangene HVPI-Inflation. In den

Jahren 2027 und 2028 beträgt das Netto-Konsolidierungsvolumen 1,4 %

des BIP. Darin inkludiert sind eine starke Dämpfung der Personal- und

Sachausgaben im Rahmen des Doppelbudgets 2027/2028, Kürzungen bei

Sozialleistungen sowie zahlreiche kleinere Abgabenerhöhungen. Das

Bruttovolumen der geplanten Konsolidierung liegt höher, wird aber

durch Offensivmaßnahmen reduziert. Vor diesem Hintergrund verbessert

sich das Budgetdefizit 2026 nur auf rund 4,1 % des BIP und liegt 2028

voraussichtlich bei 3,8 %. Zudem wird aufgrund der weiterhin hohen

Budgetdefizite ein Anstieg der staatliche Schuldenquote bis 2028 auf

86,4 % des BIP erwartet.

Zwtl.: Szenarienrechnungen zeigen Ausmaß der Unsicherheit

Angesichts der Risiken hinsichtlich der geopolitischen

Entwicklungen und möglicher Angebotsverknappungen sind die

gegenwärtigen Preiserwartungen auf internationalen Rohstoffmärkten

von hoher Volatilität gekennzeichnet. Um der Aussicht Rechnung zu

tragen, dass Rohstoffpreise entgegen den Markterwartungen nicht

schnell sinken werden, hat die OeNB zusätzlich zur Prognose drei

Szenarien ("mild", "adverse", "severe") berechnet. Dahinter stehen

unterschiedliche Rohstoffpreisannahmen, Erwartungen für die

Entwicklung auf den Finanzmärkten und mögliche Zweitrundeneffekte der

Preisentwicklung. Im Falle des Severe-Szenarios würde die heimische

Wirtschaft 2027 stagnieren und die Inflation auf über 5 % steigen. Im

milden Szenario würde das BIP-Wachstum auf knapp 1,5 % steigen und

die Inflation knapp unter 2 % fallen. Für das Budgetdefizit bleibt

auch im milden Szenario die 3-Prozent-Marke 2028 aus derzeitiger

Sicht nicht realistisch, im Severe-Szenario steigt der negative

Budgetsaldo bis 2028 auf knapp 5 %.

Gesamtwirtschaftliche Prognose für Österreich 2026 bis 2028 vom

Juni 2026

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Pressesprecherin

Mag.a Marlies Schroeder, MiM

Telefon: (+43-1) 404 20-6900

E-Mail: marlies.schroeder@oenb.at

Website: https://www.oenb.at

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0030 2026-06-12/09:04

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