(neu: Kurse und weitere Werte, Hargreaves Lansdown, Analysten-Stimmen)
FRANKFURT/SEOUL/NEW YORK (dpa-AFX) - Nach der jüngsten KI-Rally sind Gewinnmitnahmen bei Halbleiterwerten am Freitag weiter Thema. Bereits am Vortag war der US-Branchenindex zeitweise kräftig unter Druck geraten, denn der Ausblick von Broadcom US11135F1012 hatte den sehr hohen Erwartungen nicht ganz Stand gehalten. Die Aktien des KI-Riesen verloren zweistellig.
"Die Begeisterung der Anleger für KI-bezogene Titel lässt nach, nachdem die starken Ergebnisse von Broadcom nicht zu der von den Anlegern erhofften Anhebung der Prognosen geführt haben", schrieb Investment-Strategin Anna Macdonald vom Vermögensverwalter Hargreaves Lansdown.
Am Freitag nun verzeichneten auf internationaler Bühne weitere Branchenwerte teils deutliche Abschläge. Für Aufmerksamkeit sorgte ein Blogbeitrag des KI-Entwicklers Anthropic, der von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde.
Die Kalifornier, bekannt durch ihre Künstliche Intelligenz Claude, plädieren für ein geringeres Tempo in der KI-Entwicklung. Sie verweisen vor allem auf die zunehmenden Risiken des Kontrollverlusts des Menschen über KI-Modelle, weil sie sich immer schneller selbst optimieren. Eine Verlangsamung dieser Entwicklung wäre "eine gute Sache", um uns allen die Zeit zu geben, die immensen Auswirkungen wirklich einschätzen zu können.
In Seoul büßten die Aktien von SK Hynix <KR7000660001> mehr als sieben Prozent ein. Im vorbörslichen US-Handel gaben Nvidia US67066G1040 um gut ein Prozent und Micron Technology US5951121038 um mehr als drei Prozent nach.
Die Papiere des deutschen Branchenprimus Infineon DE0006231004 waren mit einem Minus von sieben Prozent auf 79,14 Euro der klare Verlierer im hiesigen Leitindex Dax DE0008469008, der moderat stieg. Seit Jahresbeginn gerechnet liegen die Papiere von Infineon aber immer noch mit einem Plus von 110 Prozent klar vorn.
Als Belastung kam bei Infineon auch ein Analystenkommentar hinzu. Mit Verweis auf die jüngste Kursrally hatte Warburg Research die Kaufempfehlung für die Anteilsscheine gestrichen, das Kursziel aber von 47 auf 84 Euro angehoben.
Die fundamentalen Gründe für einen Kursanstieg bei Infineon seien gegeben, schrieb Analyst Malte Schaumann. Er verwies auf die deutlich verbesserten Nachfrage-Aussichten im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. Doch die Bewertungskennziffern hätten inzwischen historische Höchststände erreicht, was die hohen Erwartungen widerspiegele.
Auch im Index der mittelgroßen Werte MDax DE0008467416 waren Halbleiterwerte schlecht gelitten. So sackten Jenoptik DE000A2NB601, Aixtron DE000A0WMPJ6 und Wacker Chemie DE000WCH8881 zwischen vier und fünf Prozent ab.
Die Aktien von Wacker Chemie litten zusätzlich unter der Verkaufsempfehlung der US-Bank Citigroup. Analyst Sebastian Satz hält vor allem die Erwartungen an das Halbleitergeschäft von Wacker für vermutlich zu hoch angesetzt. Wacker liefert der Branche hochreines Polysilicium und spricht selbst vom "Schlüsselrohstoff der Digitalisierung". Daher zog der Wert mit der KI-Rally mit, die nun ins Stocken gerät.
Im Nebenwerte-Index SDax DE0009653386 zeige sich ein ähnliches Bild. Hier waren die Anteilsscheine von Suss Microtec DE000A1K0235 und Siltronic DE000WAF3001 Schlusslichter mit Verlusten von sechs beziehungsweise sieben Prozent. Diese beiden Papiere haben seit Jahresbeginn gerechnet in dem Index noch die Nase vorn./la/ag/jha/
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