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03.06.26 14:46:41

Marktstimmung: "Eine einzige Enttäuschung?"

Der DAX bleibt, anders als große ausländische Indizes, knapp unter der Rekordmarke stecken, was viele zu Short-Positionen animiert. Was das für die kommenden Tage bedeutet, weiß Joachim Goldberg.

Zusammenfassung

Auf die geringe Handelsspanne mit leichtem Minus unterm Strich reagieren mittelfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger vor allem mit neuen Short-Positionen, allen voran die Profis. Zudem trennen sich 8 Prozent von deutschen Bluechips. Der Sentiment-Index dieser Gruppe fällt auf -31 Punkte. In eine ähnliche Richtung ziehen private Anlegerinnen und Anleger, jedoch in deutlich geringerem Ausmaß.

Für Joachim Goldberg spricht vieles dafür, dass sich die neu hinzugekommenen Pessimisten am bisherigen Rekordhoch orientieren, das bislang nicht überschritten worden ist. Unterm Strich sieht er an der Unterseite ab 24.550/24.600 DAX-Punkten potentielle Nachfrage. Spannend würde es, sollte der DAX dennoch gegen Rekord steigen, weil dort eine Short-Squeeze drohe.

3. Juni 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). „Eine Enttäuschung nach der anderen“  – so überschrieb ein Börsenexperte seinen aktuellen Kommentar. Dabei mag er vielleicht auch an den Verlauf der vergangenen Sentiment-Woche gedacht haben. Während nämlich in den USA S&P 500 und die Nasdaq neue Rekorde erklommen, konnte man dies nicht gerade vom DAX behaupten. Dabei hätte es auch für ihn eigentlich nur eines kleinen Sprungs von weniger als 100 Punkten bedurft, um ebenfalls in bis dahin nicht gekannte Höhen aufzusteigen. Stattdessen gab es selbst für diejenigen, die zuletzt an Volatilität gewohnt waren, nur magere Kost: Mit nur 2 Prozent betrug die Handelsbandbreite weniger als die Hälfte der Vorwochen-Range. Vermutlich hat auch die unübersichtliche Nachrichtenlage bezüglich eines möglichen Friedensplans für den Iran-Krieg dazu beigetragen, dass die DAX-Entwicklung zumindest nicht weiter nach oben zeigte. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Pessimisten bislang nicht wirklich auf ihre Kosten gekommen sind – das erste von uns indizierte Nachfrageniveau (vgl. unten) wurde bislang nicht getestet.

Und ja, die Zahl der Pessimisten hat sich unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont noch einmal vergrößert: Zum dritten Mal hintereinander ist unser Deutsche Börse Sentiment-Index gefallen, zuletzt um 19 Punkte auf einen neuen Stand von -31. Dies ist das niedrigste Niveau seit Anfang 2024. Dabei hat sich das Bärenlager um 12 Prozentpunkte vergrößert. Der Zuwachs geht zu knapp 60 Prozent auf das Konto ehemaliger Optimisten, die möglicherweise beim jüngsten Anlauf nach oben ihre Engagements um 180 Grad gedreht haben. Aber auch ehemals neutral gestimmte Akteure haben sich in größerer Zahl zu den Bären gesellt. Insgesamt ist der Deutsche Börse Sentiment-Index in den vergangenen drei Wochen um 49 Punkte gefallen!

Aktive Privatanleger ziehen mit

Auch bei den Privatanlegern hat sich die Stimmung verschlechtert. Hier fällt unser Sentiment-Index um 10 Punkte auf einen neuen Stand von +1. Der Rückgang in diesem Panel geht in erster Linie auf jene Privatanleger zurück, die wir nicht über Social Media befragen. In dieser Untergruppe reduziert sich das Bullenlager um 8 Prozentpunkte, wobei sich fast alle der ehemaligen Optimisten in Richtung Seitenlinie zu den neutral gestimmten Anlegenden bewegen. Auch bei den über Social Media Befragten zeigt sich eine Tendenz in diese Richtung, aber es ist schon auffällig, wie hoch die Diskrepanz zu denjenigen Privatanlegern gewachsen ist, die wir nicht über Social Media befragen. Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe fällt zwar nicht so stark wie bei den institutionellen Pendants, aber dennoch um 9 Punkte auf einen neuen Stand von -12.

Gleichzeitig hat sich auch die Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren noch einmal vergrößert. Wie schlecht die Stimmung bei Letzteren tatsächlich ist, zeigt übrigens die relative Sentiment-Betrachtung auf drei und sechs Monate. Denn in diesem Bereich notieren wir so niedrige Indexstände, wie wir sie zuletzt im April 2020, also mitten in der Coronakrise, zu sehen bekommen haben, als die Mehrzahl der Akteure nach überwundenen Tiefständen nicht an eine anhaltende DAX-Erholung glauben wollte.

„Smarte“ Verkäufe vor wichtigem Referenzpunkt

Natürlich ist die Situation diesmal eine andere. Vieles spricht dafür, dass sich auch die neu hinzugekommenen Pessimisten – auch geleitet von der Skepsis, dass es zwischen den USA und dem Iran keine schnelle Einigung geben werde – mit den Positionierungen vermutlich am bisherigen Referenzpunkt „Rekordhoch“ orientierten, der bislang nicht überschritten wurde. Damit ist der DAX-Rückgang von 1,6 Prozent (Punktvergleich) seit vergangenem Mittwoch wahrscheinlich überwiegend hausgemacht. Gleichzeitig hat sich die Nachfragesituation an der Unterseite auf niedrigerem Niveau verstärkt, erstmals im Bereich von 24.550/24.600 DAX Zählern. Spannend wird es jedoch, wenn der DAX doch noch neue Rekordniveaus erklimmen sollte, weil sich mittlerweile das Risiko einer Short-Squeeze eingestellt hat. Dies gilt vor allem, wenn der DAX zuvor nicht mehr auf das vorgenannte Niveau fallen sollte und den zahlreichen Pessimisten somit ein Rückkauf ihrer Engagements vermutlich mental verwehrt bliebe. 

von Joachim Goldberg

3. Juni 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

Videokommentar

Sentiment-Analyse als Podcast

Sie können sich die Sentiment-Analyse direkt über diese Seite anhören oder herunterladen. Es gibt sie natürlich auch auf den üblichen Podcast-Plattformen Spotify, iTunes, Podcaster, Amazon, Google, auf denen Sie ihn abonnieren können.

Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

 BullishBearishNeutral
Total23%54%23%
ggü. letzter Erhebung-7%+12%-5%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.950 Punkte (-400 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: -31 Punkte (-19 Punkte zur letzten Erhebung)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

 BullishBearishNeutral
Total38%37%26%
ggü. letzter Erhebung-8%+2%+6%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 24.950 Punkte (-400 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: +1 Punkte (-10 Punkte zur letzten Erhebung) 

Über den Deutsche Börse Sentiment-Index

Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.

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