
Extrem hohe Umsätze, fast nur Verkäufe: Der gestrige Montag war ein schwarzer Tag – auch im ETF-Handel. Händler berichten von Abgaben im großen Stil, über alle Regionen hinweg.
25. Februar 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die beunruhigenden Nachrichten über die stark steigende Zahl der Coronavius-Infizierten haben am gestrigen Montag auch den ETF-Handel erfasst. „Es herrschte fast Ausverkaufsstimmung. Quer Beet wurde alles verkauft“, erklärt Frank Mohr von der Commerzbank. „Schon am frühen Morgen ging es los, mit hohen Stückzahlen.“ Auch Oliver Kilian von der Unicredit berichtet von einem sehr hohen Handelsaufkommen – mit fast nur Verkäufen.
Am Dienstagmorgen ist Kilian zufolge etwas Ruhe eingekehrt – zumindest vorerst. Der DAX ist nach einer kleinen Stabilisierung aber wieder unter die 13.000 Punkte-Marke gerutscht und liegt am Mittag bei 12.933 Zählern. Vor einer Woche hatte der Index noch ein neues Allzeithoch von 13.796,80 Punkten erreicht. Der Dow Jones verlor am Montag über 1.000 Punkte und beendete den Handelstag unter der Marke von 28.000 Zählern, so tief wie zuletzt Mitte Dezember.

Kilian
„Ab und an auch mal Käufe“
Nachdem der Coronavirus lange ignoriert wurde, flog zu Wochenbeginn alles aus den Depots: Aktien- und Anleihen-ETFs – und zwar aller Regionen. „Anleger konzentrierten sich allerdings auf die großen Indizes“, bemerkt Kilian. Abflüsse gab es etwa aus MSCI USA-, S&P 500- (WKN A1JX53), Euro Stoxx 50- (WKN DBX1EU), MSCI EMU- (WKN A0YEDX) und MSCI World-ETFs (WKN A0RPWH, A0HGV0). „Ab und an sah man auch mal Käufe, aber das war nicht viel“, bemerkt der Händler.
In der vergangenen Woche hatten noch Käufe klar überwogen und Anleger vorzugsweise Welt- und japanische Aktien gekauft, während Euro Stoxx 50-ETFs bereits abgestoßen wurden, wie Mohr feststellt. Zudem setzte sich das hohe Interesse an SRI-ETFs fort, also Nachhaltigkeits-ETFs (Socially Responsible Investment).
„Quer Beet wurde alles verkauft“
Mit Short-ETFs auf den Einbruch vorbereitet
Auffällig waren Mohr zufolge vergangene Woche die hohen Zuflüsse in Short-ETFs. „Offenbar haben die Allzeithochs doch einige skeptisch gemacht.“ Er geht davon aus, dass der Markt schon bald Boden finden wird. „Das schwächere Wachstum in China wird sich auf vieles auswirken, zu einer Rezession dürfte es aber nicht kommen.“
Auch auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stehen Short-ETFs wie der Xtrackers ShortDAX Daily Swap (WKN DBX1DS) weit oben. Neben den üblichen DAX- (WKN 593393, DBX1DA), Stoxx Europe 600- (WKN 263530), MSCI World- (WKN A0RPWH) und S&P 500-Trackern (WKN A0YEDG) wurde außerdem der iShares Edge MSCI World Minimum Volatility (WKN A1J781) viel gehandelt.
Goldpreis treibt Umsätze mit Goldminen-ETFs
Bei den Branchen-ETFs stehen derzeit Goldproduzenten im Fokus. Immerhin nimmt der Goldpreis Kurs auf 1.700 US-Dollar, aktuell kostet die Feinunze 1.656 US-Dollar – so viel wie zuletzt 2013. Viel um geht den Händlern zufolge etwa beim ComStage NYSE Arca Gold BUGS (WKN ETF091) und beim iShares Gold Producers (WKN A1JKQJ). Bei der Commerzbank dominierten aber schon die Abgaben.
Umsatzstark bleiben ETFs, die die Tech-Branche abbilden, etwa der iShares Nasdaq 100 (WKN A0F5UF, A0YEDL). Nach hohen Zuflüssen in den Vorwochen hielten sich bei der Commerzbank Zu- und Abflüsse nun die Waage. Zugegriffen wurde hingegen bei Versorger- und Gesundheitsaktien. „Das zeigt schon die defensivere Ausrichtung“, meint Mohr. An der Börse Frankfurt wurden vor allem der iShares Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts (WKN A0Q4R2) und der iShares Euro Stoxx Banks (WKN 628930) rege gehandelt.
„Defensiv investieren mit Versorger- und Gesundheits-ETFs“
Anleihen: „Nicht der Rede wert“
Im Vergleich zu den Turbulenzen bei Aktien-ETFs war bei Anleihe-ETFs wenig los. „Das ist nicht der Rede wert“, bemerkt Kilian. Laut Mohr gerieten Anleihe-ETFs in dieser Woche ebenfalls in den Verkaufsstrudel, vergangene Woche war das Bild aber noch ausgeglichen: Gekauft wurden zum Beispiel kurzlaufende US-Staatsanleihen, verkauft auf US-Dollar lautenden High Yield-Bonds.
von: Anna-Maria Borse, 25. Februar 2020, © Deutsche Börse AG
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